Chen Halevi (Klarinette)

© Vincent Bouchard


Chen Halevi ist derzeit wohl einer der vielseitigsten Klarinettisten überhaupt. Sein Interesse gilt der Alten Musik (auch auf historischen Instrumenten) genauso wie der Klassik und der Neuesten Musik unserer Zeit. Er ist ein angesehener Kammermusikpartner, spielt Rezitale und tritt regelmäßig mit Orchestern auf.

Bereits in früher Jugend debütierte er beim Israel Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Zubin Mehta. Seitdem hat er mit vielen führenden Orchestern in den USA, Europa und Japan zusammengearbeitet, darunter das New York Philharmonic Orchestra, dem Tokyo Symphony Orchestra, den European Soloists, dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn, den Moskauer Virtuosen, dem Jerusalem Radio Orchestra, dem MDR Symphonieorchester Leipzig, dem NDR Sinfonieorchester Hamburg, dem Bayerischen Rundfunkorchester München, sowie dem Deutschen Sinfonieorchester Berlin.

Eine tiefe Liebe verbindet ihn mit der Kammermusik. Diese hat ihn mit großartigen Künstlern zusammengeführt, darunter Pinchas Zukerman, Christoph Eschenbach, sowie einigen bekannten Quartetten, wie dem Keller, Szymanowski, Fine Arts, Miro, Jerusalem, Prazak, St. Lawrence, Arcanto, Vogler, Meta4 und Kronos Quartett. Häufig ist er außerdem mit dem Doric String Quartet zu hören.

Seine Leidenschaft für Kammermusik macht ihn auch zu einem gern gesehenen Gast bei Sommerfestivals. Hier wären als wichtigste Marlboro, Ravinia und Santa Fe in den USA, sowie Schleswig-Holstein, Colmar, Forcalquier, Prussia Cove, Davos, Rolandseck, Aldenburgh, Risør, Elverum und Verbier zu nennen. Darüber hinaus folgte er Einladungen zum PMF Festival in Japan, sowie dem Perth International Arts Festival in Australien.

Diese Saison spielt Chen Halevi Isang Yun's Konzert für Klarinette und Orchester (1981) mit dem Seoul Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Dennis Russell Davies, Highlights der vergangenen Saisons sind u.a. eine Südamerika-Tournee im Rahmen des Jerusalem Chamber Music Festivals mit Elena Bashkirova, Mihaela Martin und Frans Helmerson.

Internationale Anerkennung wird ihm durch seinen Einsatz für Neue Musik zuteil. Er pflegt eine enge Zusammenarbeit mit vielen zeitgenössischen Komponisten. Ebenfalls zu den Höhepunkten der vergangenen Saisons zählen daher die amerikanische Erstaufführung von Magnus Lindbergs „Kraft“ mit dem New York Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Alan Gilbert, sowie die Uraufführung von Sven-Ingo Kochs „Doppelgänger“ im Auftrag und Rahmen von Musica Viva mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Brad Lubman. Mit beiden Komponisten verbindet ihn eine tiefe künstlerische Freundschaft, die sich auch in weiteren Widmungen für Chen Halevi niedergeschlagen hat.

Im Frühjahr 2013 führte Chen Halevi das Klarinettenkonzert von Magnus Lindberg mit dem Iceland Symphony Orchestra unter der Leitung von Ilan Volkov, sowie das für ihn von Magnus Lindberg geschriebene Duo „Acequia Madre“ und das Trio „Ablauf“ auf. Sein Einsatz für zeitgenössische Musik geht aber über das Interpretieren der Werke hinaus. Im Jahr 2007 gründete er ClarRecords. Dessen erklärtes Ziel ist die Unterstützung zeitgenössischer Komponisten durch Auftragswerke, CD-Aufnahmen sowie der Aufführung der unterstützten Werke, um sie auch nach der Uraufführung zu Gehör zu bringen. Zu den Komponisten zählten bisher u.a. Sven-Ingo Koch, Denis Cohen und Krystof Maratka. Ein weiteres Ziel ist die Zusammenführung verschiedener Künste, um den Dialog zwischen unterschiedlichen Ausdrucksformen des 21. Jahrhunderts zu stimulieren.

In letzter Zeit hat Chen Halevi an zwei großen CD-Projekten gearbeitet, eine davon eine Anthologie des Repertoires für Klarinette aus dem 20. Jahrhundert, mit dabei seine persönliche Auswahl von Solowerken, Kammermusik, Konzert- und Elektronikmusik.

Neben seiner Arbeit als Solist ist Chen Halevi Mitglied in zwei sehr verschiedenartigen Ensembles: WindsUnlimited besteht aus sechs Mitgliedern aus aller Welt, die sich dem einzigartigen Holzbläser-Repertoire widmen. Sie spielen auf originalgetreuen Nachbauten von Instrumenten aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Neben den großen Komponisten der klassischen und romantischen Epochen geben sie in ihren Programmen auch weniger bekannten Komponisten ein Forum.

Mit dem Komponisten und Bandoneon-Spieler Marcelo Nisinman widmet sich Chen Halevi in der TangoFactory der Welt des Tangos. Die feste Besetzung setzt sich neben den beiden genannten hinaus aus Matan Porat (Klavier) und Winfried Holzenkamp (Kontrabass) zusammen. Neben zeitgenössischen Werken (oft aus der Feder von Marcelo Nisinman) widmen sie sich den Tangos von Piazzolla, Mendizabal und vielen anderen.

Eine weitere wichtige Komponente ist seine Arbeit als Lehrer. Er gilt als Pionier einer neuen Schule des Klarinettenspiels, und für ihn ist es ein wichtiges Thema, welchen Platz die Klarinette und ihre Spieler im 21. Jahrhundert einnehmen können. Diese Ansätze gibt er als Professor an der Hochschule für Musik in Trossingen genauso weiter, wie in einer Vielzahl von Meisterkursen rund um den Globus. Seit 2007 gehört er zu den Dozenten des „Arts Programs at the Banff Centre“ in Kanada.

Geboren in der Negev-Wüste in Israel lebt Chen Halevi seit vielen Jahren in Paris.