Künstler
Huutajat (finnischer Schreichor)

Huutajat ist ein Chor, der keine Note singt, sondern schreit, brüllt, grölt und heult. Am 6. Dezember 1987, dem Finnischen Unabhängigkeitstag, hatte Huutajat seinen ersten Auftritt. Der Chor schrie verschiedene patriotische Lieder und Märsche, darunter auch die Nationalhymne. Das Publikum blieb wie erstarrt zurück, als der Chor nach einem kurzen aber höchst intensiven Auftritt die Bühne verließ. Die Presse zeigte sich begeistert: „Huutajat steht offensichtlich am Anfang seines Weges zu herausragenden künstlerischen Erfolgen.“ Eine Folge dieses Auftritts war, dass der Chor schnell auf mehr als 30 Mitglieder anwuchs.
Heute hat sich Huutajat in der internationalen Kunst- und Musikszene etabliert. Er tourte bereits in Europa, den USA, Kanada und Japan und trat auf in Kammermusiksälen, Jazz Clubs, Kunstgalerien, Supermärkten, besetzten Häusern sowie auf Rock Festivals, in Bahnstationen und auf Baustellen. Als Beispiele seien genannt: Die Royal Festival Hall, die Kölner Philharmonie, die Brooklyn Academy of Music, das MoMA, das Roskilde Festival, die Biennale in Venedig, die Bayerische Staatsoper, das Ars Electronica, das Paradiso und die Rote Flora. Darüber hinaus war Huutajat an verschiedenen Co-Produktionen im Bereich Tanz (mit Carolyn Carlson), Film (mit Jesper Just), Theater (mit Johannes Lepper), Oper (mit Andreas Ammer) und Musik (mit David Moss) beteiligt.
Das Repertoire umfasst Folklore, Kinderlieder, Arbeiterlieder, Nationalhymnen sowie Zitate aus dem finnischen und internationalen Recht. Wenn ein Text vorliegt, beginnt Dirigent und Komponist Petri Sirviö ihn auseinander zu nehmen: die Melodie wird als erstes über Bord geworfen und der Text wird normalerweise stark zurechtgestutzt. Was übrig bleibt, wird in eine vollkommen neue künstlerische Form gegossen.
Ein Auftritt von Huutajat lebt von starken Kontrasten. Genaue Artikulation mischt sich mit sprachlosem Geschrei; die Stimmung wechselt überraschend von lustig zu ernst. Das hat es unmöglich gemacht, den Chor in eine Kategorie einzuordnen und gibt ihm die Freiheit vor unterschiedlichstem Publikum aufzutreten.
Foto: © Timo Heikkala
