Christian Tetzlaff – Violine

© Giorgia Bertazzi

Christian Tetzlaff ist seit Jahren einer der gefragtesten Geiger und spannendsten Musiker der Klassikwelt. Im Mai 2015 schrieb The Guardian nach seinem Beethoven-Violinkonzert mit dem London Symphony Orchestra unter Daniel Harding: „The greatest performance of the work I’ve ever heard“.

Konzerte mit Christian Tetzlaff werden oft zu einer existenziellen Erfahrung für Interpret und Publikum gleichermaßen, altvertraute Stücke erscheinen plötzlich in völlig neuem Licht. Daneben lenkt er den Blick immer wieder auf vergessene Meisterwerke wie das Violinkonzert von Joseph Joachim, für das er sich erfolgreich stark gemacht hat, oder das Violinkonzert Nr. 22 von Giovanni Battista Viotti, einem Zeitgenossen Mozarts und Beethovens. Zudem engagiert sich Christian Tetzlaff für gehaltvolle neue Werke, wie das von ihm im Jahre 2013 uraufgeführte Violinkonzert von Jörg Widmann, im Repertoire zu etablieren – er pflegt ein ungewöhnlich breites Repertoire und gibt rund 100 Konzerte pro Jahr.

Christian Tetzlaff wird regelmäßig gebeten, als Residenzkünstler bei Orchestern und Veranstaltern über einen längeren Zeitraum seine musikalischen Sichtweisen zu präsentieren, so u. a. bei den Berliner Philharmonikern und der Londoner Wigmore Hall. In der Saison 2018/2019 war er „Artist in Residence“ gleichzeitig beim Seoul Philharmonic Orchestra und den Dresdner Philharmonikern, in der Saison 2020/2021 wird ihm diese Ehre beim London Symphony Orchestra zuteil, mit geplanten drei Konzertblöcken unter der Leitung von Antonio Pappano, Susanna Mälkki und Robin Ticciati, die voraussichtlich in der übernächsten Spielzeit stattfinden werden.

Im Verlauf seiner Karriere gastierte Christian Tetzlaff mit allen großen Orchestern, darunter den Wiener und New Yorker Philharmonikern, dem Concertgebouworkest in Amsterdam und allen Londoner Orchestern. Er arbeitete mit legendären Maestri wie Sergiu Celibidache, Bernard Haitink, Lorin Maazel und Kurt Masur, aber auch in jüngerer Zeit mit Barbara Hannigan, Christoph von Dohnányi, Paavo Järvi, Vladimir Jurowski, Andris Nelsons, Sir Simon Rattle, Esa-Pekka Salonen und Michael Tilson Thomas, um nur einige zu nennen.

Höhepunkte der Spielzeit 2019/2020 waren Konzerte mit dem National Symphony Orchestra Washington mit Christoph Eschenbach, dem Seoul Philharmonic Orchestra mit Manfred Honeck, dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin mit Robin Ticciati und dem NDR Elbphilharmonie Orchester mit Karina Cannelakis. Einige Veranstaltungen werden in die kommenden Saison verschoben, darunter Einladungen des Metropolitan Orchestra New York, der Berliner Philharmoniker, bei den Festspielen Baden-Baden, des Orchestre de Paris und Philharmonia Orchestra. Ein Konzert mit dem hr-Sinfonieorchester Frankfurt wurde ohne Publikum im Internet dargeboten. Die Planung der Saison 2020/2021 beinhaltet Tourneen nach Australien und in die USA, sowie eine Tournee mit dem Bundesjugendorchester, mit der Kammerakademie Potsdam und Einladungen zum Budapest Festivalorchester, Mozartorchester Lugano und Orchestre National de Belgique.

Was den 1966 in Hamburg geborenen und inzwischen mit seiner Familie in Berlin lebenden Musiker so einzigartig macht, sind – neben seinem großen geigerischen Können – vor allem drei Dinge: Er nimmt den Notentext wörtlich, er versteht Musik als Sprache, und er liest die großen Werke als Erzählungen, die existenzielle Einsichten spiegeln. Was hier ganz selbstverständlich klingt, ist im Konzertalltag ein eher ungewöhnlicher Ansatz.

Wenn Christian Tetzlaff den Notentext so tief wie möglich zu erfüllen versucht – ohne Rücksicht auf die „Aufführungstradition“ und ohne sich die oft üblichen geigentechnischen Erleichterungen zu gönnen – dann zeigen sich die altbekannten großen Werke oft in neuer Klarheit und Schärfe. Als Geiger versucht Tetzlaff hinter dem Werk zu verschwinden – und das macht seine Interpretationen paradoxerweise sehr individuell.

Zum Zweiten „spricht“ Christian Tetzlaff mit seiner Geige, sein Spiel umfasst, wie die menschliche Sprache, eine große Bandbreite an Ausdrucksmöglichkeiten und ist nicht allein auf Wohlklang und virtuosen Glanz ausgerichtet.

Vor allem aber versteht er die Meisterwerke als Geschichten, die von zentralen Erfahrungen handeln. In ihrer Musik haben die Komponisten intensivste Gefühle, höchstes Glück und tiefste Krisen verarbeitet, und so begibt sich auch Christian Tetzlaff als Musiker in diese Grenzbereiche der Emotionen und der musikalischen Gestaltung. In vielen Stücken geht es um nichts Geringeres als um Leben und Tod. Das dem Publikum zu vermitteln, ist Christian Tetzlaffs Ziel.

Bezeichnenderweise hat Tetzlaff viele Jahre in Jugendorchestern gespielt, in Uwe-Martin Haiberg an der Musikhochschule Lübeck hatte er einen Lehrer, für den die musikalische Interpretation der Schlüssel zur Geigentechnik war – nicht umgekehrt.

Bereits 1994 gründete Christian Tetzlaff sein eigenes Streichquartett, und bis heute liegt ihm die Kammermusik ebenso am Herzen wie seine Arbeit als Solist mit und ohne Orchester. Jedes Jahr unternimmt er mit dem Tetzlaff Quartett mindestens eine ausgedehnte Tournee, so auch in der vergangenen Saison mit Konzerten in der Elbphilharmonie Hamburg, der Philharmonie Berlin, Palais des Beaux Arts Bruxelles und Wigmore Hall London und in 2020/2021 u. a. im Théâtre des Champs Elysée Paris.

Das Tetzlaff Quartett wurde 2015 mit dem Diapason d’or ausgezeichnet; das Trio mit seiner Schwester Tanja Tetzlaff und dem Pianisten Lars Vogt wurde für den Grammy nominiert. Für seine CD-Aufnahmen hat Christian Tetzlaff zahlreiche Preise erhalten, zuletzt den Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik 2018, den Diapason d’or im Juli 2018 und den Midem Classical Award in 2017. Zuletzt erschien im Herbst 2019 bei Ondine die neue Einspielung der Violinkonzerte von Beethoven und Sibelius mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter Robin Ticciati und erntete Begeisterung bei Presse und Puiblikum.

Ein besonderes Anliegen sind ihm seit jeher die Solo-Sonaten und Partiten von Bach, deren Aufnahmen er 2017 zum dritten Mal veröffentlichte. The Strad Magazin lobte diese Aufnahme als „aufmerksame und lebendige Antwort auf die Schönheiten der Bach‘schen Solowerke“. Auch in seinem Konzertkalender sind sie inzwischen fester Bestandteil, so eröffnete er die letzte Sasion das Schleswig-Holstein Musik Festival mit einem Solorezital im ausverkauften großen Saal der Elbphilharmonie und war auch in St. Petersburg, Moskau und in der Philharmonie Berlin solo zu erleben. In der Saison 2020/2021 kommen, so ist es geplant, weitere Soloabende in der Alten Oper Frankfurt, im Pierre Boulez Saal Berlin, Kulturpalast Dresden und St Luke’s Centre London hinzu.

Christian Tetzlaff spielt eine Geige des deutschen Geigenbauers Peter Greiner und unterrichtet regelmäßig an der Kronberg Academy.

Konzert mit dem Künstler am 31.7
Webseite des Künstlers

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